Wie ein Walzer nach dem Winter…

Vier Jahre ist es still gewesen nachdem es tagtäglich im Haus meiner Grosseltern ertönte: mal ein Walzer, mal ein Jazzstück, Sonaten, Lieder. Aber meistens doch Walzer. Er hatte es zum 68. Geburtstag geschenkt bekommen als das alte fast auseindanderbrach und jeden Tag hat er die Klaviertasten gestreichelt, beliebäugelt und singen lassen. Wir Enkelkinder haben ihn nur so gekannt: am Klavier sitzend und spielend bis das meine Oma verrückt wurde und laut rief das Essen würde kalt werden. Meinen Kindern hat er auch in den Schlaf gespielt und jedes Mal wenn diese Klavier hörten, sagten sie sofort „Opa?“

pianoEines Tages wurden die Tasten dann stumm. Niemand mehr hat sie berührt, denn mein Opa ist gestorben. Keiner hat es mehr ausgehalten Klavierspiel im Haus zu hören. Das Haus ist verkauft worden und das Klavier ist meiner Oma in ihre kleine Wohnung gefolgt. Es wurde in eine Ecke gestellt und eine Decke drübergeworfen und somit fast vergessen. Für mich wurde mein Opa einfach in die Ecke gestellt.

Doch dann passierte etwas unerwartetes: meine Oma musste ihre Wohnung verlassen und in eine kleinere ziehen wo für das Klavier kein Platz mehr war. Es sollte verkauft werden. Ich war unglaublich traurig, aber was konnte ich tun. Nur hat das Universum es anders beschlossen und als meine Oma uns anrief, meinte der Troll zu ihr: „Warum bekommen wir denn nicht das Klavier? Wir haben doch den Platz!“

„Ja, warum denn nicht?“ Gesagt, getan, mein Bruder brachte mir das Klavier. Es fand seinen Platz im Wohnzimmer, als ob es immer hier gestanden hätte. Und als die Rumpelwichte vergnügt darauf rumklimperten, tat es nicht mehr weh, es zu hören. Im Gegenteil, ich konnte fast meinen Opa vor Freude lachen hören. Das Klavier singt wieder. Noch ein bißchen falsch, weil keiner von uns recht spielen kann. Aber ich glaube, ein Punkt meiner „100 things to-do-list“ kann dieses Jahr vielleicht abgehakt werden, denn wir haben beschlossen, das der Korrigan und ich Klavierstunden nehmen werden.

IMG_20160325_181709Ich hätte nie davon träumen können, das Klavier von meinem Opa zu erben und jetzt steh es in unserem Wohnzimmer und ich bin so unglaublich dankbar dafür. Ein Stück meines Opas lebt jetzt ein bißchen bei uns weiter 😀

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